Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich diese Geschichte öffentlich erzählen möchte aber nachdem ich diese Woche in einem Podcast Interview über mein Online Yoga Programm auch über diesen Teil der Geschichte gesprochen habe, werde ich sie auch hier erzählen. Es ist nun fast ein Jahr her dass ich in Indonesien war, um meinen Traum als Yoga Lehrerin auf einer kleinen Insel im Paradies zu verwirklichen.

Die Geschichte beginnt auf der kleinen Insel Gili Meno, ca. drei Stunden von Bali entfernt. Mein Mann und ich planten dort zwei Monate zu verbringen, es wurden allerdings nur fünf Wochen. Der Anfang war traumhaft: ein 4 km2 Inselparadies mit atemberaubenden Riffen, Schildkröten, bunten Fischen, Sonnenuntergängen und einem Traum von Yoga-Studio mitten im Dschungel. Der durchschnittliche Urlauber bleibt hier maximal ein bis drei Nächte und wir haben uns sehr glücklich geschätzt, so lange bleiben zu dürfen. Innerhalb kürzester Zeit kannten wir jeden Fleck und alle Bewohner auf der Insel :-) Das Personal im Resort war sehr nett und wir waren fast wie Freunde. Ich verbrachte auch hin und wieder einen Abend mit Ihnen alleine, wenn mein Mann zum Surfen für ein paar Tage nach Lombok fuhr. Ich weiß nicht woher mein Urvertrauen kam, aber ich fühlte mich rundum wohl und sicher, obwohl ich wusste, in einem Land zu sein, dass nicht gerade für Sicherheit bekannt ist. Wir haben als "Angestellte" - ich war die Yoga Lehrerin des Resorts - im hinteren Teil der Anlage gewohnt, welcher komplett aus offenen Bambus Hütten bestand. Dieser Teil des Resorts ist auch für Gäste geöffnet, die normalerweise mit dem Rucksack unterwegs sind und nicht den Komfort eines Sterne Resorts benötigen. Es gibt keine festen Wände und Türen in diesen Backpacker Huts, lediglich Sichtschutz, der ebenfalls aus Bambus ist. Solange wir zu zweit dort waren und ich mich sicher fühlte, hat mir das sogar sehr gefallen. Ein bisschen wie wild campen, nur eben in Indonesien.

Es war zu dieser Zeit sehr ruhig auf der Insel, es waren kaum Touristen vor Ort, da ein Vulkanausbruch die Anreise erschwerte. Mein Mann war für zwei Tage auf einem Surf Trip und als ich abends zur Hütte gelaufen bin, verspürte ich plötzlich ein mulmiges Gefühl. Mir ist aufgefallen, dass ich komplett alleine in der hinteren abgeschiedenen Anlage war, kein weiterer Gast und auch der Security Posten war leer. Ich bin dann trotzdem ins Bett gegangen, konnte aber zum Glück nicht schlafen. Ich war sehr unruhig und fühlte, dass irgendetwas nicht stimmte. Meine Intuition sollte Recht behalten und so bemerkte ich, als mitten in der Nacht ein fremder Mann zu mir in die Hütte kam. Er war klein, mit nacktem Oberkörper und hatte ein Stück Stoff in der Hand. Im Nachhinein weiß ich, dass dieses Stück Stoff dafür da war, mich zu betäuben, aber soweit ist es zum Glück nicht gekommen. Da ich wach war, konnte ich sofort reagieren und habe nach dem Schlagstock, den mein Mann zur Selbstverteidigung dabei hatte, gegriffen und gerufen "What are you doing here!". Ich hätte schreien sollen, aber das habe ich nicht. Trotzdem ist der Einbrecher abgehauen. Im Dschungel ist der Geräuschpegel immer ziemlich hoch und ich hatte große Angst, ob der Mann wirklich weg ist. Ich habe mir die ganze Zeit eingebildet, er wäre noch in der Hütte hinter meinem Schrank, denn aus meiner Position vom Bett konnte ich das nicht wirklich sehen. Ich dachte, mein lautes Rufen hätte den Sicherheitsmann aufmerksam gemacht, aber etwa nach einer Stunde war immer noch niemand da. Das Haupthaus des Resorts ist ca. 500 Meter entfernt und es war stockdunkel. Jedes Geräusch, jedes Knacken hat mich zu Tode erschreckt und ich kauerte ängstlich mit dem Schlagstock und einer Taschenlampe in der Hand auf meinem Bett und habe gewartet. Die Zeit verging nicht und nach einer weiteren Stunde Panik habe ich mich entschlossen aufzustehen und selbst nach Hilfe zu suchen. Keine Ahnung woher diese Kraft auf einmal kam, aber sobald ich aufgestanden war, habe ich mich stark und mutig gefühlt. Mit der Taschenlampe und dem Schlagstock bewaffnet, habe ich mich auf den Weg zum Hotel gemacht und dort den Sicherheitsmann am Pool gefunden, der dort ein Nickerchen gemacht hat. Als ich ihn aufgeweckt habe und ihm von dem Vorfall erzählen wollte, hat er kein Wort verstanden, da er kein Englisch konnte. Mit Zeichensprache habe ich ihm erklärt was passiert war, daraufhin ist er dann mit mir mitgekommen und hat sich die restliche Nacht vor meiner Tür positioniert. Sobald die Sonne aufgegangen war, bin ich aufgestanden und habe mich im Yoga-Studio versteckt und geweint. Ich war nicht nur verängstigt, ich war auch zutiefst enttäuscht, dass mein Traum auf dieser Insel ein so jähes Ende nehmen würde. Ich wusste, ich kann hier nicht mehr länger bleiben und es wird keine Normalität mehr auf dieser Insel für mich einkehren, obwohl das Hotel Management den Mann am selben morgen fassen konnte. Es war ein Hilfs-Bauarbeiter von der Nachbarinsel und wurde noch bevor ihn irgendjemand anderes zu Gesicht bekam von der Insel verbannt. So regelt man das in Indonesien. Als mein Mann am nächsten Tag wiederkam ist er halb wahnsinnig geworden vor Angst um mich. Er hat sich extreme Vorwürfe gemacht, dass er nicht da war. Er wollte mich so schnell wie möglich in Sicherheit bringen, aber ich war einfach nur wahnsinnig erschöpft und hatte keine Kraft Entscheidungen zu treffen. Leider hat sich zusätzlich das Management des Resorts nicht besonders einfühlend verhalten, da in Ihren Augen nichts passiert ist. Und dann hat sich auch noch herausgestellt, dass eine ähnlicher Vorfall mit einer Alleinreisenden Frau zwei Woche zuvor passiert ist, ohne dass ich etwas davon erfahren habe. Das ist wirklich unverantwortlich, denn wir dachten eigentlich das Resort wäre sehr sicher, da die Yoga Lehrerin vor mir auch alleine dort war. Ich wollte weg, wusste aber nicht wohin und wie. Reisen erfordert nun mal Kraft und die hatte ich gerade nicht. Deshalb wollte ich noch ein paar Tage bleiben, in einem Zimmer mit Wänden, Türen und Schloss natürlich.

Trotzdem konnte und wollte ich einfach nicht zulassen, dass ein einziger Mensch alles kaputt macht und alle meine Pläne über den Haufen wirft. Ich habe die Wochen davor auf der Insel so viele gute Erfahrungen mit den Menschen und Einheimischen gemacht, dass ich meine Sicht auf die Menschen und Insel nicht ändern möchte. Es gibt leider überall auf der Welt schlechtes, und dies kann einem überall passieren, egal ob man auf einer traumhaften kleinen Insel ist oder in einer Großstadt. Dies entschuldigt jedoch nicht das Fehlverhalten des Hotel Managements. 

Ich habe lange gebraucht, um dieses Erlebnis zu verarbeiten und mich alleine wieder wohl zu fühlen, aber ich habe dadurch auch gemerkt, dass ich viel stärker bin, als ich es von mir erwartet hätte. Es war sehr wichtig, die letzten Videos für Bali Flow Yoga noch abzudrehen und den Ort mit etwas Positivem zu verlassen. Anfangs habe ich immer, wenn ich an die Zeit auf der Insel zurückgedacht habe, nur diese letzten Tage im Kopf gehabt. Die wunderschönen fünf Wochen davor waren wie weggeblasen. Inzwischen überwiegen wieder die schönen Erinnerungen und ich bin dankbar, dass ich bestärkt und unbeschadet aus dieser Geschichte herausgegangen bin. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, das Positive aus diesem gesamten Trip zu ziehen und mich nicht unterkriegen zu lassen, rein nach dem Motto: „where focus goes energy flows“. Die letzten Wochen unserer Reise haben wir auf Bali verbracht, wo ich die Ruhe gefunden habe, die ich brauchte. Zum Schluss gab es dann noch den schönsten Heiratsantrag von meinem Mann, den ich mir hätte wünschen können. 

Inhale I feel peace – Exhale I smile.