Vergangene Woche war ich auf der Beerdigung vom Papa einer meiner besten und ältesten Freundinnen. Wie das bei Freundschaften aus der Kindheit oft ist, kenne ich die Eltern gut. Es gab so viele gemeinsame Feste, Abende und Urlaube. Die Beerdigung war traurig und schön zugleich. Es war schwer, meine Freundin und ihre Familie so leiden zu sehen, und ich hätte ihnen so gerne den Schmerz erspart. Gleichzeitig hat uns dieses Erlebnis wieder enger zusammengeschweißt. Wir konnten uns gegenseitig beistehen und sind mit einem gestärkten Blick auf unsere kleinen Familien zurückgekehrt.
Am selben Tag war ich bei einer anderen langjährigen Freundin, und sie hat mich in den Arm genommen und gefragt, wie es mir geht. Erstmal habe ich standardmäßig „Alles gut“ geantwortet, aber ihre Frage traf genau den Punkt, der mir die letzten Tage durch den Kopf ging. Natürlich habe ich angefangen, zu vergleichen. Wie war das damals, als meine Mama starb?
Meine Freundin war die Erste, die mich damals angerufen hat, und wir haben gemeinsam geweint. Ich hoffe, dass ich ihr jetzt ähnlich gut beistehen konnte wie sie mir damals. Doch es gibt einen großen Unterschied: Ihr Vater ging im Kreise seiner Liebsten, überschüttet mit Liebe und Dankbarkeit. Meine Mama? Sie war ganz alleine, einsam und verzweifelt. Sucht ist ein eigenes Thema, und ich weiß, dass meine Abgrenzung damals richtig war. Trotzdem hat sich mein inneres Kind gewünscht, sie auch in Liebe verabschieden zu können – und nicht in Erschöpfung und Wut. Das wäre mein Wunsch, der vielleicht postum noch einmal Platz finden darf.
Dieser Tag war intensiv, aber auch tröstend. Ich konnte mich an meine Freundinnen anlehnen, Trost spenden und Trost empfangen. Das hat mir viel bedeutet.
Ganz liebe Grüße,
Anna
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