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Grenzen. Krankheit. Und ein sehr dreckiges Kind.

grenzen Nov 26, 2025

Ein neues weißes Blatt.
To begin, begin.
Ein Postkartenspruch – aber er hat etwas.
Einfach anfangen und schauen, wohin es dich trägt.

Drei Themen haben mich diese Woche besonders beschäftigt:
familiäre Trigger, die Ungerechtigkeit von Krankheit und ein sehr, sehr dreckiges Kind.

Weil ich die Liste so begonnen habe, bleibe ich dabei. Schreiben ist für mich Therapie, und ich bin dankbar für jede Energie, die ich dafür aufbringen kann. Zeit ist es ja nie – Zeit ist immer eine Frage der Priorität.

Ich komme bekanntlich aus einer alkoholkranken, dysfunktionalen Familie. Sowohl meine Mutter als auch mein Vater sind an den Folgen des Alkoholismus gestorben. Damit ist für mich jeder Kontakt mit alkoholisierten Menschen schwierig. Ich trinke selbst ab und zu, aber ich vermeide das betrunken sein – auch wegen des Schwindels, der bis heute ein Panik-Trigger für mich ist.

Seit ich ausgezogen bin, habe ich es gut geschafft, Abstand zu halten. Ich habe klare Regeln: keine Telefonate, keine Treffen, keine Hilfseinsätze, wenn Alkohol im Spiel ist. Das wurde anfangs misstrauisch beäugt, aber irgendwann akzeptiert. Mein Bruder hörte auf, mich nachts anzurufen. Meine Mutter hörte auf, mir ihren Katzenjammer zu schildern. Und mein Vater… nun ja, er war ohnehin nicht der Anrufer.

Heute lebt nur noch mein Bruder – und er kennt die Regeln.
Letzte Woche hat er sie gebrochen.

Wir waren an der S-Bahn verabredet. Als er ins Auto stieg, wusste ich sofort: Er ist nicht nüchtern. Und so klar ich meine Grenzen sonst formuliere – in diesem Moment war ich überfordert und habe nichts gesagt.

Zuhause habe ich meinen Mann dazugeholt und wir haben entschieden, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Aber mein Körper war in Alarmbereitschaft. Ich wollte nur eines: raus aus der Enge der vier Wände, raus aus der Nähe. Wir sind noch auf den Spielplatz, frische Luft, Bewegung. Und dann habe ich ihn mit dem Vorwand „Wir müssen zur Bibliothek“ zurück zur S-Bahn gebracht. Als er weg war, ist mir buchstäblich ein Stein vom Herzen gefallen.

Mein Bruder ist ein herzensguter Mensch. Er hat mir nie etwas getan.
Aber im alkoholisierten Zustand ist er für mich eine Bedrohung. Nicht er als Mensch – sondern alles, was Alkohol in mir auslöst.

Ein, zwei Tage später habe ich ihn darauf angesprochen. Das war ein klarer Regelbruch. Diese Regel stand sogar bei meiner Hochzeit: Nur kommen, wenn man nüchtern bleibt. Damals kamen weder meine Mutter noch mein Bruder. Und ich war dankbar, dass sie meine Grenze respektiert haben.

Er meinte jetzt, es sei wohl ein unbewusster Hilfeschrei gewesen. Das mag sein – aber es ändert nichts. Ich wünsche mir oft, ich könnte ihm helfen, aber ich kann es nicht. Das Einzige, was ich tun kann, ist mich selbst schützen. Und das gelingt mir nur mit klaren, manchmal harten Grenzen.


Das zweite Thema der Woche war nicht weniger schwer.
Ein enger Bekannter ist an Krebs erkrankt – und das, nachdem seine Frau vor einigen Jahren selbst eine schwere Krebserkrankung überlebt hat. Die Ungerechtigkeit dieses Schicksals macht mich fertig. Ich dachte immer: Ihnen kann nichts mehr passieren. Ein Leben hat ein bestimmtes Maß an Leid doch irgendwann erfüllt.
Aber das Leben denkt anders.

Wer von euch „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells gelesen hat, weiß vielleicht, wovon ich spreche. Eines der schönsten und zugleich traurigsten Bücher, die ich kenne. Eine große Empfehlung.


Und dann ist da noch mein dreckiges Waldkindergartenkind.

Bei all der Schwere wirkt dieses Thema fast leicht.
Trotzdem: Ich muss oft schlucken, wenn ich ihn abhole – eingehüllt in Matsch, Schnee, Lehm, Dreck von oben bis unten. Es bröckelt von ihm ab wie Rinde von einem alten Baum. Aber okay: Er hatte Spaß. Und dass Natur uns gut tut, weiß man ja nicht nur theoretisch.


Ich wünsche dir eine entspannte Vorweihnachtszeit.
Einige Trigger werden garantiert auf dich warten – vielleicht schaffst du es, deine Grenzen vorher noch einmal klar auszusprechen.

Das wünsche ich dir von Herzen.
Liebe Grüße,
Anna

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