|
In unserem Gehirn gibt es zwei zentrale Bereiche, die sich gegenseitig beeinflussen. Der präfrontale Kortex ist das Zentrum für rationales Denken, Abwägung und weise Entscheidungen. Hier treffen wir bewusste, reflektierte Entscheidungen aus einer Haltung der Ruhe und Sicherheit heraus. Das limbische System hingegen ist unser emotionaler Teil. Es besteht aus zwei Gegenspielern: die Amygdala, das Angstzentrum, das bei Stress, Wut oder Trauer aktiviert wird, und der Nukleus Accumbens, unser Belohnungssystem, das Dopamin und Serotonin ausschüttet und für Freude, Motivation, aber auch für Suchtverhalten verantwortlich ist. Die Neuro-Psycho-Therapie nutzt dieses Wissen, um den präfrontalen Kortex als „stoffungebundenes Beruhigungsmittel“ zu aktivieren. Ein einfacher Satz, der uns emotional trifft – sei es Lob oder Kritik –, kann tiefgreifende Reaktionen in uns auslösen. Durch bewusste innere Gespräche können wir lernen, unsere Angst- und Lustthemen aktiv zu regulieren.
Bei der Inneren-Kind-Arbeit ordnen wir unsere inneren Anteile den verschiedenen Gehirnarealen und Emotionen zu, um bewusst mit ihnen in Kontakt zu treten. So stärken wir unsere Selbstwirksamkeit. Die Prägungen des limbischen Systems, die uns im Erwachsenenalter oft Probleme bereiten, entstehen in der Kindheit. Deshalb sind diese Anteile kindlich – und müssen in ihrer Sprache und Bedürfnissen auch so behandelt werden. Der präfrontale Kortex ist unser erwachsenes Ich, das rationale Entscheidungen trifft, während das Freudsche Über-Ich aus den Autoritäten unserer Vergangenheit besteht, die mit ihren Geboten und Verboten unser Verhalten beeinflussen.
Der erste Schritt ist es, die eigenen inneren Kinder bewusst wahrzunehmen. Jeder Mensch hat mindestens zwei: ein Kind, das Angst- und Stress-geprägt ist (Amygdala), sowie ein Kind, das vom Belohnungssystem geprägt ist (Nukleus Accumbens). In vielen Fällen gibt es noch weitere innere Kinder mit eigenen Prägungen. Diese kann man benennen und mit einem Foto aus der Kindheit verknüpfen, um die Verbindung bewusst zu stärken.
Ich persönlich schreibe meine inneren Dialoge am Computer. Wenn ich ein bestimmtes Thema habe, starte ich mit einer offenen Frage: „Hallo liebe Kinder, ich wollte mit euch über XY sprechen. Ich habe vor, das so und so zu machen – was haltet ihr davon?“ Dann lasse ich die Antworten aus mir herauskommen und ordne sie den Anteilen zu:
Mama (mein erwachsenes Ich, präfrontaler Kortex)
Kind 1 (mein jüngstes inneres Kind, das nach Harmonie und Schutz sucht)
Kind 2 (das Kind, das Spaß und Ablenkung über alles andere stellt)
Kind 3 (das ehrgeizige Kind, das nie zufrieden mit meiner Leistung ist)
Eine andere Herangehensweise ist es, das innere Kind offen zu befragen: „Was ist los? Wer spricht da?“ Der wichtigste Schritt nach diesen Dialogen ist die Antwort an das innere Kind. Hier geht es darum, tröstend und schützend zu reagieren oder unrealistische Erwartungen und innere Kritik zu entkräften.
Diese Arbeit hat mir geholfen, meine Ängste zu verstehen und mich selbst zu stärken. Wenn du Unterstützung suchst, kann es wertvoll sein, eine Begleitung an deiner Seite zu haben – sei es durch Bücher, therapeutische Unterstützung oder den Austausch mit Gleichgesinnten. Meine frühere Therapeutin, Cornelia Matthias, hat mich auf diesem Weg begleitet und ein tolles Buch über Selbstwirksamkeit geschrieben. Auf ihrem Instagram-Account findest du spannende Einblicke in dieses Thema.
Ich hoffe, dieser kleine Exkurs in die Neuro-Psycho-Therapie hat dir neue Impulse gegeben.
Danke, dass du dir Zeit für diese Themen nimmst und mir die Möglichkeit gibst, sie mit dir zu teilen.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Anna
|