Die Weihnachtsferien waren für mich, wie jedes Jahr, intensiv – mit vielen Familientreffen, Kinderbespaßung und wenig Raum für andere Dinge. Doch es gab auch einen besonderen Meilenstein zu feiern: Ende Dezember bin ich 40 Jahre alt geworden. Leider hat mich an diesem Tag eine Mykoplasmen-Lungenentzündung ins Bett gezwungen. Gemein, oder? Trotzdem habe ich beschlossen, den Tag nicht komplett ausfallen zu lassen, und bin abends – mit der Hilfe von Grippostad und meinen liebsten Menschen – in ein wunderbares balinesisches Restaurant gegangen. Es war ein schöner Abend, der mich mit dem Start in mein neues Jahrzehnt versöhnt hat.
Dank Antibiotikum ging es mir zu Neujahr schon besser, und am 1. Januar konnte ich sogar bei strahlendem Sonnenschein Schlittschuh laufen. Unser Dorfsee ist ein echtes Highlight im Winter, und für mich ist das Schlittschuhlaufen fast noch schöner als das Sommerbaden.
In diesem Newsletter möchte ich dir jedoch nicht nur von meinen Erlebnissen erzählen, sondern auch Themen ansprechen, die mich beschäftigen.
Seit ich denken kann, war Weihnachten bei uns immer ungewiss – ein Balanceakt zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Meine Mutter war unglaublich liebevoll und wollte uns stets ein schönes Fest bereiten. Doch die Freude brachte auch Druck und Erwartungen mit sich, die sie oft nicht bewältigen konnte. Alkohol wurde für sie zur Bewältigungsstrategie – gerade bei besonderen Anlässen wie Weihnachten. Als Kind und Jugendliche habe ich diese Muster nicht verstanden. Warum trank sie gerade dann, wenn es so schön sein könnte?
Meine Kindheit war geprägt von der Überzeugung, dass das Leben nur gut ist, wenn es meiner Mutter gut geht. Weihnachten war eine 50/50-Chance: Manchmal hatten wir wundervolle Feste mit allem Drum und Dran, und manchmal galt es, einfach nur zu überstehen. Schuldgefühle, die meine Mutter auf uns übertrug, machten die Situation oft noch schwieriger. Ich selbst habe mich irgendwann an Weihnachten zur Familie meiner Freundin geflüchtet, die mich liebevoll aufgenommen hat.
Heute feiere ich stabile, vorhersehbare Weihnachten mit meiner eigenen Familie. Doch in diesem Jahr wurde mir bewusst, wie sich die Geschichte meiner Mutter in einer anderen Person wiederholt: meinem Bruder. Auch er kämpft mit einer Krankheit, die Ähnlichkeiten zu der meiner Mutter hat. Es tut weh, ihn leiden zu sehen. Aber ich habe gelernt, mich abzugrenzen und Mitgefühl zu zeigen, ohne selbst mitzuleiden.
An Weihnachten hatte er zunächst abgesagt, kam dann aber auf meine Bitte doch noch am Nachmittag vorbei. In dem Moment habe ich gemerkt, wie alte Muster in mir hochkamen: Wut darüber, dass er "mein Weihnachten" trübt, Schuldgefühle und das Bedürfnis, ihm helfen zu wollen. Doch ich habe innegehalten und mich gefragt: Was brauche ich? Was kann ich ihm geben, ohne selbst darunter zu leiden? Ich habe ihm gesagt: "Schade, dass du nicht zum Essen kommst, aber ich würde mich freuen, wenn wir uns später noch kurz sehen." So war es dann auch. Und danach habe ich ihn ohne Groll oder Ratschläge wieder in sein Leben entlassen.
Vielleicht hilft dir diese Perspektive auch: Mitfühlend zu bleiben, ohne mitzuleiden, und dabei deine eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren.
Da ich mich gesundheitlich noch etwas schonen muss, werde ich diese Woche keine Yogastunden filmen. Stattdessen kannst du dich auf eine neue Podcast-Folge freuen, die bald erscheint. Wenn du Themenwünsche hast, schreib mir gerne eine E-Mail!
Ganz liebe Grüße und bis bald,
Anna
Täglich 15 Minuten Yoga direkt in dein Postfach – perfekt, um meinen Stil kennenzulernen und Yoga entspannt in deinen Alltag zu integrieren.