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Heute möchte ich über ein Thema sprechen, das uns alle betrifft: die Komfortzone. In ihrer stärkeren Form geht es sogar darum, Ängste zu überwinden.
Die Komfortzone zu verlassen, klingt oft positiv – fast so, als würde dahinter automatisch ein besseres Leben warten. „Ängste überwinden“ hingegen klingt eher nach Kampf gegen einen belastenden Ist-Zustand. Beides gehört zusammen, aber emotional fühlt es sich unterschiedlich an.
Was ich früh in meinen eigenen Therapiewegen gelernt habe: Ängste kann man nicht komplett löschen – so sehr ich mir das manchmal gewünscht hätte. Aber wir können sie abschwächen, wir können lernen, mit ihnen zu leben. Trigger bleiben Trigger. Wird die Amygdala – unser Angstzentrum im Gehirn – aktiviert, kann es zu einer inneren „Überschwemmung“ kommen. In diesem Moment ist wenig zu machen.
Doch wenn wir gelernt haben, unsere Ängste mithilfe des präfrontalen Cortex – also dem Teil, der für Wissen, Logik und rationale Entscheidungen zuständig ist – zu verstehen, können wir den Trigger schneller einordnen. Wir wissen dann: Es geht vorüber. Dieses Wissen müssen wir uns jedoch aktiv aufbauen.
Für mich war und ist der beste Weg: Meine Komfortzone regelmäßig zu verlassen. Je öfter ich mich einer Situation stelle, die ungewiss oder beängstigend ist – und lebendig, ausreichend stabil oder sogar gestärkt herauskomme – desto leichter fällt mir das nächste Mal der Schritt ins Unbekannte.
Ein Beispiel aus meiner Jugend
Mit etwa 15 oder 16 war ich mitten in einer Phase starker Panikattacken. Ich war von einem lebensfrohen, unbeschwerten Kind zu einer sehr introvertierten Jugendlichen geworden. Ich zog mich häufig zurück und hatte panische Angst, dass „es“ wieder beginnt – bei mir war das oft Schwindel, mein persönlicher Panik-Trigger.
Alkohol konnte ich jahrelang nicht trinken, weil ich dieses Gefühl sofort mit Panik verbunden habe.
Herausgekommen bin ich durch zwei Dinge: durch fantastische Freundinnen, die für mich wie ein Schutzschild waren, und durch eine unverhoffte Chance, die größer war als meine Angst.
Auf einer Reise nach New York wurde ich von einer Modelagentur angesprochen, und kurze Zeit später war ich bei einer Münchner Agentur unter Vertrag. Neben der Schule habe ich dann als Model gearbeitet. Und fast jeder Job, jedes Casting, jedes Treffen war gleichzeitig aufregend und beängstigend.
Ich erinnere mich besonders an die Anfangszeit: Bei vielen Shootings habe ich mehr damit gekämpft, innerlich ruhig zu bleiben, als mit der Kamera zu arbeiten. Es hat viel Energie gekostet. Aber ich habe mich durchgebissen. Und jedes einzelne Mal, an dem ich nicht abbrechen musste, hat mich stärker gemacht.
Die Jobs wurden größer, die Situationen anspruchsvoller – und auch das konnte ich meistern. Gleichzeitig habe ich Selbstbewusstsein zurückgewonnen, wurde nach außen wieder wärmer, offener, lebendiger. Einer der schönsten Momente war, als ich zum ersten Mal gemerkt habe, dass ich keine Tabletten mehr brauche – und dass ich sogar Spaß daran habe.
Warum Mut immer belohnt wird
Der Schritt ins kalte Wasser ist immer notwendig, wenn wir wachsen wollen. Und er fällt leichter, wenn wir eine Vorstellung davon haben, wohin uns der Mut führen kann.
Im neuen Jahr wage ich selbst etwas Neues: Ich werde Yoga Retreats und Workshops in mein Angebot aufnehmen. Macht mir das Angst? Ja, ein bisschen. Will ich es trotzdem wagen? Ja – weil ich weiß, was jenseits der Komfortzone auf mich wartet: Wachstum. Klarheit. Und im besten Fall Freude und Erfolg.
Von Herzen, Anna
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